

Salon: Ungleicher Wettbewerb: der französische und der deutsche Film
Salon in Kooperation mit den französischen Filmtagen Tübingen-Stuttgart

Wann: Sonntag, 3. November 2019, 11 bis 13 Uhr
Wo: Café des Kulturzentrums Merlin, Augustenstr. 72, Stuttgart-West
Eintritt: 5€, Kaffee, Tee und Croissants können bestellt werden
Im Kooperation mit den französischen Filmtagen wird diesmal unser Salon der großen Leinwand gewidmet, und zwar als Podiumsdiskussion über die Unterschiede zwischen der Kinoindustrie in Deutschland und in Frankreich.
Worin unterscheiden sich Produktion, Organisation und Förderung in den beiden Ländern?
Was sind die Vorteile und was die Nachteile der beiden Modelle?
Auf dem Podium:
- Christopher Buchholz: Leiter der Französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart
- Denis Dercourt: Regisseur, der die unterschiedlichen Produktionsbedingungen in Frankreich und Deutschland sehr gut kennt
- Tom Dercourt: Produzent
- Anna-Luise Dietzel: Producerin der Filmtank GmbH Ludwigsburg. Sie befasst sich vor allem mit deutsch-französischen Koproduktionen.
Moderation: Ralf Kröner, Förderverein Deutsch-Französischer Kultur
Kooperationspartner:
![]()
Zusammenfassung eines Artikels auf der Website http://www.deutschland-frankreich.diplo.de, die vom deutschen Auswärtigen Amt und dem französischen Ministère des Affaires étrangères herausgegeben wird.
Der Blick auf das Nachbarland im Kino und die Geschichte der cineastischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben eine lange und reiche Tradition: Truffauts „Jules und Jim“ etwa, die vor dem ersten Weltkrieg in den deutschen Schwarzwald flüchten, oder Volker Schlöndorffs Verfilmung von Marcel Prousts „Un amour de Swan“.
Diese Tradition spiegelt sich auch in zahlreichen Abkommen, Institutionen und Festivals wider: 1990 wurde der deutsch-französische Fernsehsender ARTE gegründet, im Jahr 2000 die deutsch-französische Filmakademie von Gerhard Schröder und Jacques Chirac ins Leben gerufen und 2001 das deutsch-französische Filmabkommen unterzeichnet.
Die Zahlen
(zusammengestellt von der deutsch-französischen Filmakademie für das Jahr 2017: https://www.das-rendez-vous.org/filmakademie/ )
Dass in Frankreich das Kino, und vor allem das französische Kino, eine größere Rolle spielt als das Kino in Deutschland, zeigt ein Blick in die Statistik:
| Frankreich | Deutschland | |
| Einwohner | 67,2 Mio | 82,5 Mio |
| Kinobesucher | 209,4 Mio | 122,3 Mio |
| Kinobesuch pro Einwohner | 3,26 | 1,48 |
| Durchschnittliche Eintrittspreise | 6,59 € | 8,63 € |
| Erstaufführungen (Spielfilme) | 693 | 509 |
| davon Spielfilme des Landes | 359 | 141 |
| Marktanteil französischer Filme | 37,4% | 23,9% |
| Marktanteil US-amerikanischer Filme | 49,2% | 64,90% |
| Deutsch-französische Koproduktionen | 24 | 17 |
In Frankreich findet jährlich das renommierteste aller Festivals statt, das Filmfestival in Cannes, und französische Filme finden auch regelmäßig auf anderen Filmmärkten Beachtung. Auch in Deutschland ist das französische Kino eine echte Alternative zum Kino aus Hollywood.
Dennoch kann auch Deutschland von einem verstärkten cineastischen Austausch profitieren. Seit gut zwanzig Jahren erlebt das deutsche Kino einen Aufschwung. Deutliches Zeichen ist die wachsende Beliebtheit des Filmfestivals Berlinale, die sich zum Filmfestival mit den weltweit meisten Besuchern entwickelt hat.
Filmförderung und Koproduktionen
Am 30. November 1999 betonte der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder in einer Rede vor der Französischen Nationalversammlung die Wichtigkeit einer „kulturellen Selbstbehauptung Europas“.
Er sagte: „In der Filmindustrie, in der unsere Länder auf eine große Tradition zurückblicken, ist dies besonders deutlich. Wir sollten in diesem Bereich unsere Ressourcen, unsere Talente und unsere Phantasie bündeln.“
Eine der wichtigsten Aufgaben der Deutsch-französischen Filmakademie war die Erweiterung der bisherigen Abkommen zur Förderung deutsch-französischer Koproduktionen.
Während zwischen 1994 und 1999 jährlich zwischen einem und fünf Filme koproduziert wurden, stieg die Anzahl nach der Unterzeichnung des Abkommens sprunghaft an. Vertreten sind dabei sowohl aufwändige Großproduktionen als auch kleinere Produktionen mit einem Volumen von bis zu 4 Millionen Euro, die etwa 70 Prozent der Förderungen ausmachen.
Die verstärkte Zusammenarbeit französischer und deutscher Filmemacher führte auch zur Schaffung eines gemeinsamen Studiengangs
im Atelier Ludwigsburg-Paris https://www.atelier-ludwigsburg-paris.com/de/programm.
Seit 2001 absolvieren jedes Jahr 18 Teilnehmer das einjährige Postgraduate-Programm, die entstandenen Kurzfilme werden beim Fernsehsender ARTE und einige ausgewählte auf den Französischen Filmtagen Tübingen/Stuttgart und anderen Filmfestivals gezeigt.
https://www.arte.tv/de/videos/RC-017466/atelier-ludwigsburg-paris/
Deutsch-französische Festivals
Deutsch-französische Filmfestivals haben sowohl in Deutschland als auch in Frankreich eine lange Tradition. Und da nicht alle Filme aus dem Nachbarland auch im jeweils anderen Land in den Kinos anlaufen, bieten Festivals ausgezeichnete Gelegenheiten, die Kinolandschaft des anderen Landes kennenzulernen.


Oktober 2019
Am 7. Juli 2019 ging es in unserem Salon mit dem Titel „Stottert der deutsch-französische Motor?“ um das aktuelle deutsch-französische Verhältnis.
Der emeritierte Professor für Geopolitik an der Sorbonne, Michel Korinman, und der Absolvent des deutsch-französischen Studiengangs der Politik- und Sozialwissenschaften an der Universität Stuttgart und Sciences Po Bordeaux, Jonas Metzger, sprachen mit dem Publikum über die aktuelle Situation in der deutsch-französische Zusammenarbeit.
In der lebendigen Diskussion im gut besuchten Café des Kulturzentrums Merlin wurde deutlich, dass trotz großer Fortschritte das Verhältnis der beiden Länder keineswegs gefestigt ist, sondern dass wir unentwegt daran arbeiten müssen, die deutsch-französische Kooperation zu vertiefen und zu verbessern.