

Salon: Deutsch-Französischer Salon: Schatten im deutsch-französischen Verhältnis?
Ist es eigentlich der Regierung Scholz egal, was ihr wichtigster europäischer Nachbar, Partner - früher wurde Frankreich ja auch als Freund bezeichnet – von Deutschland wünscht und erwartet?
Schon die vorherige Bundesregierung löste auf der anderen Seite des Rheins Befremden aus, als sie in der Corona-Krise die Grenze zu Frankreich schloss, ohne sich mit Paris abzustimmen.
Vor einem Jahr verkündete Scholz dann den „Doppel-Wumms“, wiederum ohne die französischen Partner zu informieren. Die erfuhren durch die Medien von den enormen Subventionen, die die deutsche Regierung ausschütten wollte. Sie stellten nicht zu Unrecht fest, dass die teilweise Finanzierung des Energiebedarfs der deutschen Wirtschaft durch den Staat nicht ganz im Einklang mit den Prinzipien des gemeinsamen Marktes steht.
Und während sich in diesem Herbst die beiden Regierungen in Hamburg zu Beratungen trafen, verkündete das deutsche Außenministerium die Schließung der Goethe-Institute in Strasbourg, Lille und Bordeaux (alle drei Universitätsstädte). Das führte zu Irritationen auf französischer Seite; mal wieder „une décision prise de manière unilatérale“ hieß es höflich-diplomatisch. Auf Deutsch unverblümt: eine brutal einseitige Entscheidung. Öffentliche Proteste in beiden Ländern verpufften.
Der Literaturwissenschaftler, langjährige Geschäftsführer des S. Fischer-Verlags und Frankreichfreund Jörg Bong hat in der Süddeutschen Zeitung geschrieben:
„Bei Goethe geht es um das konkrete Einander-Verstehen, den Dialog, um nichts weniger als Völkerfreundschaft (…). Goethe muss gehen, und nicht nur dort (in Straßburg, der Stadt, die Goethe als junger Mann besonders geliebt hat), auch in Lille und Bordeaux sowie in anderen westeuropäischen Städten (…). 'Die strategische Neuorientierung', die das Auswärtige Amt im Munde führt, da es im Osten Europas und auch in Asien neue Institute verspricht, ist schal. Denn was Außenministerin Annalena Baerbock mit Füßen tritt, ist nichts weniger als das europäische Erbe und die deutsch-französische Freundschaft (…). Die gegenwärtige Regie im Auswärtigen Amt - wie überhaupt beinahe die gesamte deutsche Regierung – hat die deutsch-französischen Beziehungen in so vielem so heftig demoliert wie noch keine zuvor.“
Wenn Bongs Diagnose zutrifft, ist das bitter, weil sich die deutsch-französischen Beziehungen auch sonst nicht erfreulich entwickeln. In einem Gespräch im Südwestrundfunk sagte Claire Demesmay vom Deutsch-Französischen Jugendwerk:
„Umfragen zeigen immer wieder: Wir schätzen uns gegenseitig, aber – und das ist das Interessante – wir kennen uns nicht wirklich. Das Desinteresse für das Partnerland hat in den letzten Jahren zugenommen und das bedeutet eine schrittweise Entfremdung. Und dagegen hilft Aufklärung, und ausgerechnet Kulturinstitute tragen dazu bei.“
November 2023
Ralf Kröner
Am 4. Februar wollen wir Hélène Bienaimé in unseren Salon einladen. Die französische Autorin stellt ihren Roman «Les Heures creuses» vor, auf Deutsch etwa „Die Hohlstunden“. Es handelt sich um die „Saga“ einer deutschen Familie, insbesondere Frauen aus drei Generationen, aus französischer Sicht.
Vom 19. bis zum 23. Februar planen wir in Molsheim / Alsace ein Theaterprojekt mit Schülern aus dem Lycée Henri Meck in Molsheim und dem Kepler Gymnasium in Tübingen.
Thema ist VALJEAN nach Les Misérables von Victor Hugo. Die Bearbeitung der Theaterfassung in Workshops / Ateliers stellt eine hervorragende Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler beider Gymnasien dar, außerhalb des Lehrplans deutsch-französische Zusammenarbeit konkret werden zu lassen.
Anlässlich der Modigliani-Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart führt Catherine Gebhard-Bernot vom Förderverein Deutsch-Französischer Kultur in das Werk des italienisch-französischen Malers ein und lässt das Ambiente lebendig werden, in dem der Künstler gearbeitet hat: das Pariser Stadtviertel Montparnasse zu Beginn des letzten Jahrhunderts.
22. Februar: Einführung in die Ausstellung (Kurs in Kooperation mit der VHS, Anmeldung VHS), und 29. Februar: Führung durch die Ausstellung. Beide Veranstaltungen finden auf Französisch statt.

Während der Französischen Wochen vom 12. bis zum 22. März planen wir eine ganze Reihe von Veranstaltungen und ein Konzert:
Über Donnerstagabend 14. und Samstagnachmittag 16. März wird Nicolas Rist vom Förderverein Deutsch-Französischer Kultur auf Französisch den Kurs Initiation zur Schauspielerei «Initiation au théâtre en francais», mittels variierter Übungen, Improvisationen und direktem Schauspiel, in der Volkshochschule anbieten.
Nach den Osterferien bis Juli wird ein wöchentlicher Kurs von 2 Stunden, jeweils mittwochabends, als «Cours de théâtre amateur en francais» in Französisch folgen.
Am Sonntag, 17. März lädt Nicolas Rist nachmittags zu einer Runde Brettspiel auf Französisch ins Café Einstein ein.
21. März: Deutsch-Französisches Konzert in Kooperation mit dem Institut Francais. Lena Spohn, Mitglied des Opernchors Staatstheater Stuttgart, wird singen und wird von Mildred Derenty auf dem Klavier begleitet.
November 2023
Wann: Sonntag, 10. Dezember 2023, von 11 bis 13 Uhr
Wo: Marienkeller, Marienstraße 37, Stuttgart-Mitte (S-Bahn Haltestelle Feuersee)
Eintritt: frei, Kaffee, Tee und Croissants können bestellt werden
Während sich die beiden Regierungen im Oktober in Hamburg zu Beratungen trafen, verkündete das deutsche Außenministerium die Schließung der Goethe-Institute in Strasbourg, Lille und Bordeaux. Das führte zu Irritationen auf französischer Seite; mal wieder „une décision prise de manière unilatérale“ hieß es höflich-diplomatisch. Auf Deutsch unverblümt, „eine einseitige Entscheidung“, und das nicht zum ersten Mal. Auch in der Corona- und der Energiekrise wunderten sich unsere französischen Partner über deutsche Alleingänge.
Wir werden einige Medienberichte vorstellen und freuen uns über Beiträge unserer Gäste. Natürlich wollen wir auch darüber sprechen, wie das Verhältnis wieder verbessert und belebt werden kann.
Durch die Veranstaltung führt Ralf Kröner.
In unserem Salon Anfang Oktober 2023 ging es um frühkindliche Bildung in Frankreich und Deutschland. Im Kindergarten muss das Kind zu lange warten (bis es wirklich etwas lernt). In der Ecole maternelle - geht's zu schnell, sagen Kritiker.
Die Teilnehmer diskutierten lebendig mit Catherine Koudou, der Leiterin der Ecole Maternelle Franco-Allemande Georges Cuvier in Stuttgart-Riedenberg, und Janine Müller, Fachlehrerin an der Facschule für Sozialpädagogik in Heilbronn. Die beiden Referentinnen hatten zuvor die wesentlichen Unterschiede der beiden Systeme dargestellt.